Manuka-Honig als Alternative zu Antibiotika

Eine neue Ära in der Tierrehabilitation

Manuka-Honig wird in Neuseeland aus dem Nektar der Südseemyrte gewonnen. Der sogenannte »Manuka-Effekt« beruht auf einer Eigenschaft des Aldehyds Methylglyoxal (MGO). Dieses entsteht als Stoffwechselprodukt beim Umwandeln von Zucker in Alkohol im Darm der Honigbiene. Je höher der MGO-Gehalt, desto höher ist die antibakterielle Eigenschaft des Honigs. In Deutschland hat sich Manuka-Honig sowohl im humanmedizinischen als auch im veterinärmedizinischen Bereich in der Wundbehandlung etabliert.

In einer Studie¹ der University of Portsmouth wurde die Ausdehnung von E.-coli Bakterien untersucht. Das Ergebnis war überraschend: Innerhalb von 72 Stunden hafteten 70 % weniger Bakterien an der getesteten Oberfläche als zu Beginn – das eingesetzte Präparat enthielt Manuka-Honig. Enzyme im Manuka-Honig produzieren kontinuierlich geringe Mengen an Wasserstoffperoxid. Dieses Peroxid wirkt durch seine oxidativen Fähigkeiten antimikrobiell. So kann der Manuka-Honig nachweislich zahlreiche Bakterien, Viren und Pilzsporen abtöten.

Häufig wird der Methylglyoxal-Gehalt bei Produkten, die Manuka-Honig enthalten, auch als Unique-Manuka-Factor (UMF) auf den Verpackungen angegeben – dieser fungiert als Gütesiegel und reicht von 5+ bis 25+.

Zum Vergleich der beiden Werte MGO (mg/kg) zu UMF

  • MGO 83 entspricht UMF 5+
  • MGO 263 entspricht UMF 10+
  • MGO 514 entspricht UMF 15+
  • MGO 829 entspricht UMF 20+
  • MGO 1200 entspricht UMF 25+

Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden fanden mittels HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatografie) heraus, dass sogar bei dem Manuka-Honig mit dem geringsten MGO-Gehalt die Konzentration des Zuckerabbauproduktes schon etwa 100 mal höher ist als bei anderen medizinischen Honigsorten. Je höher der MGO-Gehalt, desto höher ist die antibakterielle Eigenschaft des Honigs.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über Manuka-Honig

Forscher der Technischen Universität Dresden haben unter der Leitung von Prof. Dr. rer. Thomas Henle die Eigenschaften von Manuka-Honig genauer untersucht. Sie fanden heraus, dass sich bei der Anwendung von Manuka-Honig bei den Erregern keine Resistenzen bilden – im Gegensatz zu herkömmlichen Antibiotika. Australische Wissenschaftler kamen ebenfalls zu diesem Ergebnis² und konnten außerdem nachweisen, dass MGO sogar in der Lage ist, multiresistente Keime effektiv einzudämmen.

Wundbehandlung mit Manuka-Honig in der Veterinärmedizin

Manuka-Honig wird bei Tieren, sowohl im Kleintier- als auch im Großtierbereich, gleichermaßen erfolgreich eingesetzt. Bei der Behandlung von äußerlichen und inneren, offenen und geschlossenen Wunden kommt Manuka-Honig in der veterinärmedizinischen Praxis vielseitig zum Einsatz. Der hohe Methylglyoxal-Gehalt hat zur Folge, dass Keime nicht eindringen und sich nicht vermehren können. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Honig wirkt wundabschließend und hat einen osmotischen Effekt auf das Wundmilieu. In einer australischen Studie 2 aus dem Jahr 2014 wurde die bakterizide Eigenschaft von Manuka-Honig bei der Wundbehandlung bestätigt. Ein weiterer positiver Effekt des Honigs ist die sukzessive Abgabe von Feuchtigkeit, wodurch das umliegende Gewebe feucht gehalten und der Wundheilungsprozess gefördert wird.

Wichtig für die Praxis: Keine Antibiogramm-Pflicht bei der Verwendung von Manuka-Honig

Trotz seiner antibakteriellen Eigenschaft wird der Manuka-Honig laut TÄHAV nicht als Antibiotikum eingestuft. Für die Anwendung des Manuka-Honigs in der Wundbehandlung ist demnach auch kein aufwendiges Antibiogramm notwendig.
Sollte aus diagnostischen Gründen dennoch eine Tupferprobe entnommen und eine bakteriologische Untersuchung eingeleitet werden, bietet es sich in diesen Fällen an, die Wunde bereits mit Manuka-Honig zu behandeln, bis das Antibiogramm vorliegt.

Fazit: Manuka-Honig stellt in der Wundbehandlung eine wirksame Alternative zur Anwendung gängiger Antibiotika dar. Der »Manuka-Effekt« beruht auf einer Eigenschaft des Aldehyds Methylglyoxal (MGO). Je höher der MGO-Gehalt, desto höher die antibakterielle Eigenschaft des Honigs. Auf Verpackungen wird dieser als Gütesiegel mit UMF (Unique-Manuka-Factor) angegeben. Durch Enzyme im Manuka-Honig werden kontinuierlich geringe Mengen an Wasserstoffperoxid produziert, welcher durch seine oxidativen Fähigkeiten antimikrobiell wirkt. Manuka-Honig tötet nachweislich zahlreiche Bakterien, Viren und Pilzsporen ab und ist außerdem in der Lage, multiresistente Keime einzudämmen. Trotz seiner antibakteriellen Eigenschaften wird der Manuka-Honig laut TÄHAV nicht als Antibiotikum eingestuft, so dass eine Antibiogramm-Pflicht entfällt. Sowohl im Kleintier- als auch im Großtierbereich wird der Manuka-Honig bereits erfolgreich zur Behandlung von äußerlichen und inneren, offenen und geschlossenen Wunden eingesetzt.

¹ School of Pharmacy and Biomedical Sciences, University of Portsmouth, Portsmouth, UK, »Diluted honey inhibits biofilm formation: potential application in urinary catheter management?«

² School of Molecular and Microbial Biosciences, University of Sydney, Sydney, NSW, Australia. »The unusual antibacterial activity of medical-grade Leptospermum honey: antibacterial spectrum, resistance and transcriptome analysis.«

Zur Autorin:

Sara Roller, M.A. studierte Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und absolvierte im Anschluss eine duale Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten. Sie arbeitet als zertifizierte Praxismanagerin in einer Kleintierpraxis und als freie Autorin im veterinärmedizinischen Bereich.

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